Bremerhaven, Platten und Theater

Bremerhaven: Platten und Theater

Bremerhaven · 7. September 2026

Bremerhaven: Platten und Theater

Ein wunderschöner Sonntag, endlich mal ohne den Dauerregen der letzten Tage. Obwohl, der Regen hat das Gießen erspart und es war ja auch viel zu trocken. Und Bremerhaven zeigt sich an so einem Tag von seiner besten Seite.

Plattenbörse: klein, aber gut sortiert

Zwei Errungenschaften: Lynyrd Skynyrd, Second Helping – das Album mit „Sweet Home Alabama“, verbunden mit Erinnerungen an einer wüsten Zeit im Studentenwohnheim, und Patti Smith, Horses – für die Platte bin ich früher tatsächlich extra nach Amsterdam gefahren, weil sie in Deutschland nicht erhältlich war. Blau gemacht in der Schule, hingefahren.

Heute kaufe ich auch Titel von damals als Neuauflage auf Vinyl nach, weil sie ehrlich gesagt manchmal besser klingen als die alten Pressungen – Beispiel: Fragile von Yes. Ich bin Prog-Rock-Fan: Yes, Renaissance, Emerson Lake & Palmer (live in Münster erlebt, deren erstes Deutschlandkonzert überhaupt).

Die Plattenbörse in Bremerhaven ist klein, aber fein.

Goethestraßenfest: buntes Viertel, alte Probleme

Danach zum Goethestraßenfest im Goetheviertel. Tolle Stimmung, Essensstände, kleine Musikvorführungen.

Die Goethestraße selbst ist schon etwas Besonderes, aber wenn man links und rechts von dieser Main Street geht, dann ist es eher etwas gruselig. Die typischen Lehe-Probleme, nach wie vor ungelöst.

Die Stäwog leistet gute Arbeit und ist bei vielen Projekten involviert. Meine Sorge: Wenn sich die Stäwog finanziell beim Novo verhebt, wird das ungemütlich, denn sie ist hundertprozentige Tochter der Stadt. Was sie ausgibt, gibt die Stadt aus – nur taucht das im (Kern-)Haushalt Bremerhavens nicht auf.

Theaterfest: gutes Niveau, eingefrorenes Budget

Abends das Theaterfest im Stadttheater. Wir sind große Fans, das Niveau ist hoch für eine Stadt dieser Größe. Aber es wird gespart, offiziell heißt es „wir kürzen nicht“ – tatsächlich wird das Budget eingefroren, Jahr für Jahr effektiv kleiner. Das Programm wirkt inzwischen auch nicht mehr so reichhaltig wie in den letzten Jahren.

Der Intendant und ein kleiner Gedanke nebenbei

In einer kleinen Rede auf dem Fest (nach der Horror-Nachricht um 18:00) erwähnte der Intendant kurz das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt. Mir ging dabei nur ein Gedanke durch den Kopf: Guckt man sich an, was manche dort als Kultur ansieht, dann dürfte ich wahrscheinlich auch meine Patti-Smith-Platte nicht mehr offen ins Regal stellen. Sachsen-Anhalt ist klein und weit weg von hier.

Näher dran ist das Kulturproblem in Bremerhaven: Bei der Kulturkürzung gab es immerhin Protest vor der Stadtverordnetenversammlung.

Viele sind ehrenamtlich engagiert. Gleichzeitig müssen sie erleben, wie Geld in Leuchtturmprojekte geht, mit Reisen zu Konferenzen und „dritte Orte“-Besichtigungen quer durch Europa, während ein Haus wie das Piccolo-Theater beim Zuschuss auf null gesetzt wird. Das fühlt sich für viele einfach ungerecht an – und dieses Gefühl bleibt, auch wenn man sich nicht weiter drüber aufregen will.