Mittwoch, der 2. September. Ein Traum:
Ich war wieder in Münster. Mit Hund, Finish oder Lenny, meine beiden Terrier, nicht eindeutig, aber egal, sie sind wie immer abgehauen. Das ganze am Kanal, Prozessionsweg.
Danach, wie das in Träumen so ist, auf dem Fahrrad von niederländischen Polizisten ermahnt, weil ich mich nicht an die Regeln gehalten hätte.
In Münster !!
Aufgewacht und noch diesen Geschmack von Münster noch auf der Zunge. Ob ich die Stadt vermisse: ja. Nicht so, dass ich zurückziehen würde.
Ich bin jetzt hier, in Bremerhaven.
Was ich vermisse? Das Grün in Münster.
In Bremerhaven habe ich mittlerweile einen Pflasterkoller, und ich kann keine schwarzen Autos mehr sehen. Alle verrrückt.
Vor ein paar Wochen: Rotterdam.
Mitten in der Stadt: Grün! Und Rotterdam ist nicht Münster, sondern Industrie und riesiger Hafen. Aber hier geht es, die grüne Stadt.
Warum bin ich hier?
Gute Frage.
Bremerhaven hat Wasser, Weser, Meer und Deich.
Havenwelten? Seien wir ehrlich, die Formsprache von Klimahaus und Sail City ist abgegriffen. Jedem fällt sofort Dubai ein.
Dafür zieht man nicht nach Bremerhaven.
Bremerhaven für mich? Ruhrgebiet aam Meer.
Unterschied? Das Ruhrgebiet hat sich weiterentwickelt, Emscher ist grün, Zechen sind Kulturdenkmäler.
Das gleiche in Rotterdam: alte Gemäuer, Industriebauten werden Museen.
Für mich ein Reiseziel.
Hier?
Reine Zweckektur, wie ein Schuhkarton. Erfüllt seinen Zweck, aber niemand würde sich einen Schuhkarton ins Regal stellen. Maximale Flächenverwertung, mehr nicht.
Wie stehe ich zu der Stadt?
Bremerhaven: kurze Wege, und mit den meisten Menschen hier komme ich gut zurecht.
Aber dieser Traum hat mich daran erinnert, was mir fehlt: Grün.
Und das hat viel mit der SPD zu tun.
Die Stadt kennt keine Vision.
Der Spruch „Wer Visionen hat, der soll zum Arzt gehen“ von Helmut Schmidt, so zumindest die meisten Quellen.
Von Helmut Schmidt halte ich sehr viel, aber dieser Spruch schadet, weil er genau die Haltung transportiert, die wir nicht brauchen:
eine Verwaltung, die die Stadt nur verwaltet statt zu gestalten.
Wir brauchen eine Vision, wie diese Stadt aussehen soll.
Städte wie Rotterdam waren schmutzig, zweckmäßig gebaut – Hafenstädte. Man muss die Stadt heute anders denken. Rotterdam hat das verstanden: Man baut die Stadt menschengerechter, rückt die Menschen wieder in den Vordergrund.
Genau das muss Bremerhaven passieren.
Ich hab jedenfalls noch lange diesen Geschmack von Münster auf der Zunge gehabt.
Das waren schlappe Mittwochworte.