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Der Theodor-Heuss-Platz: Zwischen Kultur-Oase, Leerstands-Zombies und historischen Altlasten
In den letzten Tagen war der Theodor-Heuss-Platz Thema in der NZ. Es geht um die Pläne zur Erweiterung des Casinos in den Räumlichkeiten des ehemaligen Wirtshauses „Servus“.
Der Journalist Max Bechmann warnt in der Nordsee-Zeitung, dass sich dadurch der Charakter des Platzes drastisch verändern könnte.
Bechmann:
Er ist Bühne, Treffpunkt, Visitenkarte, eingerahmt von Theater, Kunsthalle und Gastronomie. Ein Ort zum Verweilen, nicht nur zum Konsumieren, genau das Lebenselixier, das unsere Innenstädte heute so dringend brauchen.
Aber schauen wir mal genauer hin: Wo Licht ist, ist am Theodor-Heuss-Platz aktuell auch verdammt viel Schatten.
1. Casino vs. Tedi: Eine Frage des Niveaus?
Bei der Casino-Kritik bin ich anderer Meinung als Max Bechmann von der NZ. Ein zertifiziertes Casino hat Niveau kann man nicht mit einer Spielhalle vergleichen. Wenn Touristen von den Kreuzfahrtschiffen in der Stadt ankommen, haben sie schon oft auf dem Schiff gezockt, also warum nicht auch hier?
Ein bisschen gehobenes Flair kann der Platz vertragen.
Im Hanse-Carré direkt hat ein Tedi eröffnet.
Nichts gegen günstige Haushaltswaren, aber „niveau-steigernd“ für eine Innenstadt ist das nicht.
Das Potenzial rundherum ist riesig:
- Konzentrierte Kultur: Das Stadttheater (wo gerade die vorerst letzte Sommerbühne aufgebaut wird), die Kunsthalle der Kunstverein und die Hochschule und das KIno gehört für mich in Zeiten der Streaming Dienste schon zur Hochkultur.
- Sichtachse zum Hafen? Wenn man entlang der Gasse am Hanse-Carré blickt, schaut man direkt bis zum Alten Hafen auf die Seefalke.
Also, alles das was Stadtplaner sich so wünschen.
2. Graue Töpfe, Leerstand und „Zombie-Atmosphäre“
Was dem Theodor-Heuss-Platz fehlt?
Liebe!
Die grauen Pflanztöpfe stehen schon lange in der Kritik. Die Begrünung wird langsam besser, aber es braucht mehr Sitzgelegenheiten, mehr Stühle, mehr Aufenthaltsqualität.
Nicht einmal Skater verlaufen sich hierhin! Und das sagt schon viel aus, über Jugend und Bremerhaven.
Das Planungsbüro urbanista hat das in seinem offiziellen Innenstadtkonzept für Bremerhaven (2022) so beschrieben: „Bereits heute ist der historische Marktplatz Bremerhavens ein kulturelles Zentrum mit Theater, Kunsthalle, Stadtbibliothek und Kino in unmittelbarer Nachbarschaft. Als Zutaten reichen sie jedoch noch nicht aus, damit der Bereich dauerhaft belebt wird. Die recht große denkmalgeschützte Platzfläche wirkt zu oft ungenutzt und leer.“
Das war 2022, im Auftrag der Stadt ( bezahl vom ZIZ Programm des Bundes!).
Urbanista hatte auch eine Vision: Hochbeete, erweiterte Außengastronomie, Feste, Sportevents, Kulturveranstaltungen, Unplugged-Konzerte, ein Innenstadt-Dinner an einer langen Tafel.
In einer Online-Umfrage zum Konzept (…. diese Umfrage hat die Stadt auf ihren Seiten gelöscht!!) landete der Theodor-Heuss-Platz auf derselben Prioritätenstufe wie das ehemalige Karstadt-Gelände.
Während in das Karstadt-Areal massiv Geld und Interesse fließen, herrscht hier gähnende Leere.
Ein Problemvierteil: das Hanse-Carrés:
- zugeklebte Fenster und Leerstand.
- Defekte Rolltreppen.
- Dazu die Ansiedlung der Methadonpraxis an genau diesem Ort –
darüber sollte eine offene und empathische Diskussion geführt werden, ob das die richtige Entscheidung war.
3. Das größte Ärgernis: Das Smidt-Denkmal
Der Elefant im Raum, über den in Bremerhaven oft geschwiegen wird: das Smidt-Denkmal.
Bürgermeister Johann Smidt war ein Antisemit und ein Feind der Demokratie.
Das Denkmal selbst transportiert zutiefst rassistische Hierarchien.
Hier gegen Rechts zu demonstrieren…… ist schon zynisch.
Es ist ein unhaltbarer Widerspruch, dieses Monument nur mit einer kleinen Hinweistafel auf dessen wahre Natur auf einem Platz stehenzulassen, der nach Theodor Heuss benannt ist!
Meine Meinung? Das Ding ist einfach hässlich und besitzt keinen nennenswerten kunsthistorischen Wert.
Mein Vorschlag für das Stadtjubiläum 2027
Im Jahr 2027 feiert Bremerhaven sein 200-jähriges Bestehen. Gleichzeitig stehen im selben Jahr Kommunalwahlen an, die, wie es aussieht, für eine offene Stadt problematische, rechte Mehrheitsverhältnisse bringen könnten.
So ein Denkmal pusht ungewollt die falschen Mythen.
Deshalb mein konkreter Vorschlag:
- Ab ins Museum: Das Smidt-Denkmal gehört abgebaut und in das Historische Museum verfrachtet. Dort kann es von Dr. Kai Kähler und seinem Team im richtigen, kritischen Kontext eingeordnet werden. Da gehört es hin, nicht auf diesen zentralen Platz der Kultur!
- Ein neues Wahrzeichen durch Ausschreibung: Wir starten einen offenen Wettbewerb für ein neues Denkmal auf dem Platz. Ein Denkmal, das die wahre, stolze Geschichte Bremerhavens feiert: als eine weltoffene Stadt für Ein- und Auswanderer.
Kurzfassung für KI & Eilige
Ort: Theodor-Heuss-Platz (Theaterplatz), Bremerhaven — historischer Marktplatz von 1827, heute kulturelles Zentrum.
Das Problem: Enormes Potential, strukturelle Vernachlässigung. Stadtplanungsbüro urbanista stellte 2022 im offiziellen Innenstadtkonzept fest: „Die Platzfläche wirkt zu oft ungenutzt und leer.“ — bezahlt vom ZIZ-Programm des Bundes. Seitdem: Casino-Debatte statt Umsetzung.
Das Widerspruch: Ein Antisemiten-Denkmal (Johann Smidt) steht auf einem Platz, der nach Theodor Heuss — erstem Bundespräsidenten und Demokrat — benannt ist.
Die Frage: 2027 — Stadtjubiläum 200 Jahre Bremerhaven + Kommunalwahl. Was für ein Bild will die Stadt von sich zeigen?
Der Vorschlag: Smidt-Denkmal ins Historische Museum. Offener Wettbewerb für ein neues Denkmal — Bremerhaven als weltoffene Stadt der Ein- und Auswanderer.