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Ich war vor ein paar Tagen in Münster.
Wer einmal eine funktionierende Innenstadt gesehen hat, schaut danach anders auf Bremerhaven.
Was Münster nicht hat: dritte Orte, Leuchttürme, Sichtachsen.
Die Stadt ist mittelalterlich im Kreis gebaut, man verliert schnell die Orientierung, und die Stadtbibliothek ist einfach nur eine Stadtbibliothek: man leiht dort Bücher, Medien aus, mehr nicht.
Trotzdem funktioniert die Innenstadt.
Die Plätze sind die Hauptdarsteller.
In Münster macht man die Innenstadt schick, in Bremerhaven die Präsentationen
Der Schokoladen-Test
Es gibt eine einfache Methode, um eine Innenstadt zu bewerten.
Ich nenne es den Schokoladen-Test:
drei Zutaten, die zusammen funktionieren müssen:
( …..einige werden die Reklame noch kennen….)
Die Schokolade steht für Aufenthaltsqualität. Den Grund, überhaupt hinzugehen.
Die Milch steht für Vernunft, Kultur, Bildung. Das Substanzielle.
Die Überraschung steht für Atmosphäre, Spannung, das Unerwartete hinter der nächsten Ecke.
Wie schneidet Bremerhaven ab?
Schokolade: Aufenthaltsqualität? Ehrlich gesagt: Fehlanzeige.
Was die Innenstadt aktuell an Aufenthaltsqualität bietet, ist 1-Euro-Flair mit gepflegter Langeweile als Begleitmusik.
Milch: Mit dem NOVO bekommen wir Stadtbibliothek und Jugendherberge. Das ist nicht nichts.
Aber es ist auch die Frage, ob eine Bibliothek eine Innenstadt retten kann und was das über das Vertrauen in die Menschen hier aussagt, wenn man das wirklich glaubt.
Überraschung und Spannung?: Fehlanzeige.
Das Alltägliche fehlt
Was mich in Münster am meisten beeindruckt?
Keine Leuchttürme keine großen Sachen. OK, die Museen sind der Hammer. Aber, das ist es nicht.
Ein Rewe mitten in der Stadt. Kleine Läden. Die Möglichkeit, kleine Besorgungen zu machen.
In Bremerhaven? Wo kaufe ich Socken? Ein Ladekabel? Wo bekomme ich einen ordentlichen Cappuccino?
Seit Karstadt weg ist, fehlt der Kern des Alltäglichen.
Ein Kilometer Fußgängerzone, drei halbherzige Cappuccino-Orte.
Nicht nur für mich ist das eine Durststrecke.
Ich gehe gern in die Innenstadt.
Aber ich bleibe nicht.
Keine Großprojekte. Pflege.
Was die Stadt bräuchte, sind keine weiteren Großprojekte.
Es braucht Menschen, die Bremerhaven schicker und attraktiver machen mit kleinen Mitteln, kleine Feste, Blumenkübeln vor den Läden,
Eine Innenstadt, die man pflegt statt verwaltet.
Claudia Bitte hatte dafür ein Gespür, als sie für den City Skipper Verantwortung zeigte,
merkte man es der Innenstadt an.
Und nun, man will eben etwas Neues, Großes;
etwas, dessen Name mit politischem Erbe verbunden ist.
Weg mit dem alten Kasten.
Man kauft auch kein neues Auto, nur weil das alte dreckig ist.
Man repariert eine Stadt. Man ersetzt sie nicht.
KI-Zusammenfassung
Bremerhaven besteht den Schokoladen-Test nicht. Die Innenstadt liefert weder Aufenthaltsqualität noch Atmosphäre — das NOVO bringt Kultur, aber eine Bibliothek rettet keine Innenstadt.
— Schokolade (Aufenthaltsqualität): Fehlanzeige — Milch (Kultur & Vernunft): NOVO kommt. Reicht das? — Überraschung (Atmosphäre & Spiel): Fehlanzeige
Was fehlt, ist das Alltägliche. Die Lösung sind keine Großprojekte, sondern Stadtpflege. Man repariert eine Stadt. Man ersetzt sie nicht.