Bremerhaven, der Verkehr als Mantra, aber wie verletzlich ist eigentlich die Stadt?

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Die verletzliche Stadt

Das Handelsblatt hat am Wochenende eine Diagnose gestellt: die verletzliche Republik.
Cyberattacken auf Infrastruktur, gekappte Stromleitungen, Brandanschläge. Deutschland ist Ziel.

Was bedeutet das für Bremerhaven?

Der innere Hafen, Kaiserhafen, Fischereihafen, hängen an drei Schleusen. Nordschleuse, Kaiserschleuse, Sportschleuse.
Technisch gesteuert, computergestützt. Die Effizienz im Normalbetrieb ist ein Einfallstor im Ernstfall.

Man muss sich das bei einer Sturmflut vorstellen. Die Schleusen halten das Wasser draußen. Wenn jemand sie öffnet, während die Nordsee drückt, ist das keine Cyberattacke, das ist eine Waffe. Die Infrastruktur wendet sich gegen die Stadt.

Das ist der Unterschied zur Kriegsführung, über die gerade viel geschrieben wird.
The Atlantic hat kürzlich argumentiert, dass Kampfjets bald passé seien, dass Drohnen die Zukunft der Kriegsführung bestimmen.
Die Ukraine als Beleg, günstige unbemannte Systeme gegen teure bemannte Plattformen.
Das mag für die Ukraine stimmen. Für Bremerhaven stimmt etwas anderes. Wir brauchen keinen Drohnenschwarm. Wir haben Schleusentore.

Dieselbe Logik gilt für die Entwässerungspumpen im Hinterland.
Legt man sie durch einen Hackerangriff lahm, braucht es keine Rakete.
Das Wasser erledigt den Rest.

Die Bedrohung, vor der das Handelsblatt warnt, sieht nicht aus wie Krieg. Sie sieht aus wie ein IT-Ausfall. Genau das macht sie gefährlich, sie fällt nicht unter die Kategorien, auf die Kommunen vorbereitet sind.
Und hier wird es unangenehm konkret. Die Stadt selbst hat es zuletzt nicht geschafft, eine funktionierende Finanzsoftware einzuführen. Wer daraus schließt, dass kommunale IT-Kompetenz auch bei kritischer Infrastruktur ausreichend vorhanden ist, glaubt vermutlich auch an den Weihnachtsmann.
Das Handelsblatt nennt als Risiko auch die AfD, als Partei mit Russland-freundlichen Kräften.
Das ist kein Nebensatz. Wer die Bedrohungslage ernst nimmt, muss auch fragen, wer sie politisch kleinredet.

Bremerhaven plant derzeit einen Marinehafen. Das erhöht die strategische Bedeutung der Stadt und damit ihre Attraktivität als Ziel.

Der Atlantic-Artikel endet mit der Warnung, wer die veränderte Kriegsführung nicht anerkenne, klinge bald wie nostalgische Verteidiger der Kavallerie.
Für Bremerhaven gilt eine andere Warnung.
Wer glaubt, Sicherheit bedeute Straßenausbau und Hafenausbau, hat die eigentliche Front übersehen.

Sie liegt an den Schleusentoren.