Ist Claude ein Schmetterling?

Motorrad fahren oder die Kunst des Umweges!

Warum sollte man eine Runde mit dem Motorrad fahren, bevor man entscheidet, ob man eine wirklich KI braucht?
Die Kosten von KI sind aktuell in den Fokus geraten: Tokenomics. In den Focus sind die KI Agenten geraten.
Ob ich unbedingt einen KI-Agenten brauche und wirklich jede Frage an eine KI weitergeben muss?

Die Antwort liefert eine Runde mit dem Motorrad.
Wenn ich mit dem Motorrad von A nach B fahren will, stelle ich in der Regel fest,
dass es auch über B, C, D geht – das heißt, der Weg ist das Ziel.
Es gibt Navigationssysteme, die genau das berücksichtigen. Schöne Kurven die ein Fahrerlebnis versprechen.

Im Auto ist Google Maps quasi zum Standard geworden, weil es effektiv und fast minütlich aktuell ist.
Aber es gibt da ein Problem: die Effektivität. Der Weg, den Google Maps vorschlägt, ist meistens der kürzeste oder der schnellste, aber nicht unbedingt der Weg, auf dem ich am wenigsten Stress habe.

Wer meine YouTube-Videos kennt, weiß, dass ich neulich in Wittenberge war.
Es gibt, grob gesprochen, den Weg über die Autobahn und dann ein Stück Landstraße, oder, jeweils von Hamburg aus betrachtet, den direkten Weg ausschließlich über die Landstraße.
Google hat in meinem Fall den direkten Weg gewählt ( bzw. ich habe nicht aufgepasst und fand mich in der ostdeutschen Eben wieder mit vielen Ortsdurchfahrten, mit allem, was dazu gehört.
Das war sehr interessant und landschaftlich wunderschön ( für die Beifahrerin…..), aber wenn ich eine lange Strecke fahre, fahre ich nicht gern ausschließlich auf der Landstraße.
Es ist schöner als die Autobahn Raserei, aber als Fahrer habe ich die Straße und das Verkehrsgeschehen vor mir, viel Abbiegen und oft enge Straßen. Von der Landschaft sehe ich … nix.
Mein Stress ist für Google kein Faktor, aber für mich.
D. h. Google Maps berücksichtigt nicht den Faktor Mensch.

KI als Stressfaktor

Einen ähnlichen Effekt habe ich bei meiner Arbeit mit LLM und KI bemerkt. Sie sind effektiv und nehmen mir viel Arbeit ab und ich möchte sie nicht missen.
Wer KI Zusammenfassungen kennt, oft damit arbeitet und parallel den Original-Text liest, weiß: Da fehlt oft was.
Mir fehlt dann oft der Zugang zu dem Text.
Wie kann ich es besser erklären?
In der Serie High Potential ( Ein absoluter Binge Tipp von mir..) gibt es in Staffel 1, Folge 12 eine Szene:
Sie durchsuchen die Wohnung eines Verdächtigen.
Es sieht nach einem typischen Messie Heim aus, aber Morgan, die freie Mitarbeiterin – hochbegabt-, die dem LAPD bei der Aufklärung hilft –,
sieht in dem Chaos eine Ordnung.

Nur das Genie beherrscht das Chaos!

Sie referiert für ihren Kollegen: es gibt 4 Ordnungs-Typen:

  • – Marienkäfer – viel Stauraum, Unordnung versteckt
  • – Biene – strukturiert, effizient, methodisch
  • – Grille – ordentlich und sauber, wenige sentimentale Gegenstände
  • – Schmetterling – alles offen und zugänglich, von außen wie Messie, aber mit System

Das entspricht einem System, das dem Buch „The Clutter Connection“ von Cassandra Aarssen folgt (danke Claude für den Hinweis!), die so den Zusammenhang zwischen Persönlichkeitstypen und der eigenen Art des Aufräumens beschreibt.

Wenn ich das auf die Wege übertrage, die ich zum Beispiel in Bremerhaven bevorzuge, die aber nicht der Google-Maps-Empfehlung entsprechen (ich meide möglichst die Rudloffstraße … als Beispiel), ist das nicht nur ein Tick, eine Vorliebe, sondern zeigt, welche Strukturen ich bevorzuge.
Nichts anderes ist eine Navigation, ich suche in dem Gewirr von Straßen nach einer Struktur, die mir den Weg zu meinem Ziel zeigt.

Strukturen, also Wege, die ich als sicher und bequem empfinde, sind nicht unbedingt die effektivsten Wege.
Google Maps ist da meistens anderer Meinung, aber Google Maps sitzt nicht im Auto oder auf dem Fahrrad.
Ich wähle mir meine Struktur, meinen Weg, selbst aus weil ich mich als Maßstab nehme.
Und, ich bin nun mal nicht effektiv.

Nichts anderes gilt bei meiner IT: dem Dateisystem auf meinem Computer. Ich suche manchmal ewig nach Dateien und nutze Such- Algorithmen.
Warum? Ich bin manchmal zu bequem mir Gedanken über Ordner und Dateinamen zu machen. In fast allen Fällen entsteht ein System, das ich durchblicke, aber eben auch nicht immer.
Intern habe ich also eine Abwägung getroffen, schnelles Speichern ./. ordentliches Labeln.
Aber, es ist meine Entscheidung.
Was für andere wie Chaos aussieht, ist für mich eine Art der Ordnung.
Genau so, wie ich mit dem Auto bestimmte Wege bevorzuge, obwohl Google Maps anderer Meinung ist, bevorzuge ich auch auf anderen Gebieten bestimmte Strukturmerkmale.
Aber es ist immer meine eigene Wahl.

Wer nur das Ziel sieht, stolpert leicht!

Eine KI arbeitet ausschließlich mit festen Strukturen.
Ist sie nun ein Marienkäfer oder ein Schmetterling auf Speed?

Mit genügend Rechenpower finde auch ich jede Datei, jede Info, also warum Ordnung halten?
Das System hat einen Namen: Search-Driven Storage!
Aber, weg von meinem Schuhkarton Prinzip….. ( das ja eigentlich nur meiner Faulheit geschuldet ist!)

Wenn jeder von uns eine bestimmte Struktur bevorzugt, dann dürfte es ineffektiv sein, sich in ein KI-Korsett zu zwängen das nur in bestimmten Strukturen denken kann, sowohl sprachlich als auch sonst. Denn ein LLM denkt Sprache von der Statistik her, also strukturell, egal wie nett und persönlich sich das anhört. Auch Smilies sind nur ASCII Zeichen.

Wenn ich ausschließlich strukturell denken würde verpasse ich einfach die Punkte, die Gedankenblitze, die ich im Chaos finde.
Gedanken die ich nicht finden würde, wenn ich den geraden Weg nutze.

Ich pflege mittlerweile einen etwas skurrilen Stil, mit der deutschen Grammatik umzugehen, der meiner Nähe zum Ruhrgebiet geschuldet ist und ich liebe es mittlerweile auch,
nach jahrelangem juristischen Denkkorsett, Gedanken freien Lauf zu lassen.

Wenn KI aber nur bestimmte Strukturen kennt, hilft sie mir dann wirklich?
Oder zwingt sie mich, wie Google Maps, auf Wege, die effizient sein mögen, aber die wir nicht mögen, weil es nicht unser Weg ist ( Sinatra war da schon weiter)?
Brauchen wir wirklich jeden KI-Agenten? Oder sollten wir lieber unser Chaos lieben lernen?
Denn das ist menschlich – und KIs hassen Chaos.

Wollen sie einfach nur verkaufen, mehr nicht?

Oder ist der KI Hype am Ende einfach nur ein Geschäftsmodell das uns eigentlich weniger nützt als es suggeriert?
Und wie beim Homeshopping Kunden kommt jetzt die Ernüchterung für viele Firmen, die alles auf KI Agenten gesetzt haben: erst kommt das Paket, dann sieht man die Rechnung und fragt sich: „Aber im Fernsehen sah es so aus, als wenn man ohne nicht leben könne!“ –
Und jetzt hat man ein KI-Abo, einen Agenten der nichts agiert, und eine Rechnung die sich Tokenomics nennt.
Die Moderatoren – OpenAI, Google, Anthropic – verkaufen natürlich weiter.
Die Sendezeit läuft.

Hat eine KI Bewußtsein?

Als ich diesen Text beim Kaffee geschrieben habe wurde mir erst so richtig bewußt, wo meine Skepsis bei der Frage herrührt, ob eine KI jemals Bewusstsein erlangen kann.

Denn ich kann das Chaos wählen, den Schmetterling, eine KI nicht.


Kurz: Das Schmetterling-Dilemma: Warum KIs unser Chaos hassen

Die Illusion der Wahl: Eine KI kann menschliche Ordnungs- und Denkstrukturen perfekt nachrechnen, aber sie kann sie niemals aus freiem Willen wählen. Sie bleibt eine hyper-optimierte Struktur-Maschine.

Der Verlust der Geistesblitze: Während Algorithmen stur auf der effizienten, geraden Linie von A nach Z verharren , liegt das wahre menschliche Bewusstsein im bewussten Umweg. Erst in unserem vermeintlichen Chaos entdecken wir die entscheidenden, kreativen Meilensteine (die Punkte R, S, T), die auf der sterilen Effizienz-Autobahn verloren gehen.

Der Tokenomics-Weckruf: Viele Unternehmen erleben nach dem großen Hype die Ernüchterung : Sie stecken in teuren KI-Abos und stellen fest, dass starre Agenten kein menschliches Denken ersetzen können – am Ende bleibt oft nur eine saftige Rechnung.

* Fazit: Lass dich nicht in das sterile KI-Korsett zwängen. Schütze deine Einzigartigkeit, deinen eigenen Stil und dein kreatives Chaos – denn genau das macht uns menschlich.