Samstagmorgen: Entspannt zum Wochenmarkt nach Geestemünde fahren, ein bisschen über den Markt schlendern und die Einkäufe fürs Wochenende erledigen ( die Erdbeeren sind aktuell phantastisch).
Am Durchgang an der Grasshoffstraße war kaum ein Durchkommen.
Die SPD stand geschlossen im Weg, um jeden Passanten mit einem Apfel zu „beglücken“. Alle im passenden Uwe-Schmidt-T-Shirt – und der Bundestagsabgeordnete stand in eigener Person mit gewohnt wichtigem Gesichtsausdruck mittendrin.
Ich habe früher selbst für die Grünen an Infoständen gestanden. Das ist nicht einfach, und beliebt macht man sich oft auch nicht damit, außer man verschenkt nützliches wie Kugelschreiber oder Kochlöffel.
Es kostet viel Überwindung Menschen anzusprechen.
Aber heute war es nur noch nervig. Ich wollte einfach nur da durch, zu den Erdbeeren und hatte keine Lust auf diesen „Marktplatz der Eitelkeiten“ und die immer gleichen, auf Volksnähe getrimmten Sprüche.
Ist genau diese Art von Wahlkampf nicht der beste Nährboden für den aktuellen Politikfrust?
Warum die Frustration in Bremerhaven ausgemacht ist
Wenn man sich die sinkende Wahlbeteiligung oder das Erstarken problematischer Parteien anschaut, wird abstrakt von einer „Politikverdrossenheit“ gesprochen. Aber, die hat konkrete Auswirkungen, wenn man die Wahlbeteiligungen sieht. Und wenn ich mich selbst beobachte?
Der Frust liegt an ganz konkreten, handfesten Dingen hier vor Ort.
1. Politische Präsenz nur zu Wahlzeiten?
Von unseren Abgeordneten hört man außerhalb des Wahlkampfs gefühlt kaum etwas. Die Abgeordnete der Grünen sieht man in Bremerhaven so gut wie nie. Und wenn die SPD sich mit den mühsam fließenden Milliarden für Bremerhaven brüstet, bleibt der fahle Beigeschmack, dass das eher strukturelle Gründe hat, als dass es persönlich im Bundestag erkämpft wurde.
Einzig von der CDU kriegt man ab und zu noch was mit.
2. Am echten Bürgerinteresse vorbei
Es reicht einfach nicht, alle paar Jahre den Menschen den Weg zu versperren und ihnen Obst in die Hand zu drücken. Das echte Gespräch muss während der gesamten Wahlperiode geschehen.
Und zwar über die Themen, die den Menschen hier in der Stadt wirklich unter den Nägeln brennen – wie das aktuelle, nervenaufreibende Chaos rund um das Verfahren zur Oberbürgermeisterwahl.
Es kann doch nicht sein, dass eine ganze Stadtverwaltung gelähmt zusieht und wir gespannt darauf warten müssen, wie ein Gericht entscheidet, nur um ein verpatztes Verfahren im Nachhinein irgendwie zu korrigieren.
Da stimmt strukturell etwas ganz gewaltig nicht.
3. Vor der Wahl
Im Mai 2027 steht die Kommunalwahl in Bremerhaven an und ich weiß nicht, wo ich mein Kreuz machen soll. I
Und dieses Gefühl erlebe ich aktuell bei sehr vielen Menschen in meinem Umfeld.
Das Gefährliche daran ist: Viele haben innerlich schon komplett aufgegeben und schalten ab.
4. Desinteresse ist keine Option
Ich versuche für mich selbst, dieses Gefühl der Frustration wegzudrücken, irgendwie dagegenzusteuern und meine Stimme zu erheben, na ja, eher mein Stimmchen, sei es durch Videos oder Schreiben.
Sich zurückzuziehen und zu sagen „Sollen sie doch machen, was sie wollen“, ist für mich keine Option.
Für viele andere ist es ihre Entscheidung.
Und genau aus diesem Grund müssen die Akteure aufwachen.
Ein Apfel auf dem Wochenmarkt rettet das Vertrauen nicht mehr.
Und zum Schluss…
wechseln wir zu den schönen Dingen des Lebens! Jetzt wird erst mal das Sommerwetter genossen. Wobei, man kann es uns Motorradfahrern ja ohnehin schwer recht machen: Erst war es wochenlang viel zu kalt und zu nass, und jetzt schwitzt man in Leder, weil es zu heiß ist.
Für nächste Woche sind die Vorhersagen ideal. Dann wird die ER-5 – 25 Jahre alt! – ausgeführt.
Wie seht ihr das? Habt ihr ähnliche Erfahrungen auf dem Wochenmarkt gemacht oder blickt ihr optimistischer auf die Kommunalwahl 2027?
Auf dem YOUTUBE Kanal könnt ihr das gerne kommentieren!
