Binge Report: Forever old.

Eigentlich bin ich nie älter als 24 geworden, zumindest was meinen Musikgeschmack angeht, und der ist für mich einer der wesentlichen Charaktereigenschaften. Ich überlege gerade, ob ich Fragile von Yes bestelle, die audiophile Version für fast 80€.

Meine Plattensammlung habe ich aus Gründen, die ich hier nicht beschreiben will, aufgegeben, und nun, Dekaden später, stelle ich sie wieder zusammen, zugegeben in einer besseren Form als sie damals war.( Lenco war vielleicht nicht so eine gute Idee, man bleibt dran)

Ich jogge schon sehr lange, fast immer die gleiche Streckenlänge, fast immer gefühlt das gleiche Tempo. Aber es dauert schlicht immer länger, meine Fitnessuhr lügt nicht. Immer mehr überholen mich. Früher hat mich das mal geärgert, aber heute ist es mir egal.
Wenn ich früher mit einer R9T und 110 PS jede Kurve bis an die Grenze ausgetestet habe, ist es mir heute mit einer alten ER5 mit 34 PS schlicht egal.
Ich genieße einfach die Fahrt.

Also, alles gut, auch wenn man beim Tanzkurs den Altersdurchschnitt reichlich erhöht.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

Auf Netflix laufen aktuell zwei Serien, die mit dem Alter zu tun haben. Eine Eigenschaft der Menschen, mit der sich, soweit ich weiß, nur wenige Influencer beschäftigen.
Wenn man das Alter so begreift wie ich, einfach alles ein wenig entspannter sehen, ist man kaum im Beuteschema von Influencern
(Urlaub, Fails und Kreuzfahrten mal ausgenommen).

In Younger gibt sich eine 40-jährige Mutter einer fast erwachsenen Tochter, die die Nase voll hat von ihrem Ehemann, als 26-Jährige aus, um einen Job in der Verlagsbranche zu finden. 6 Staffeln lang hat sie mit dieser Lüge zu kämpfen, lernt die Freuden eines jüngeren Liebhabers kennen, die Verwirrungen der Online-Generation.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

(Achtung Spoiler)
In The Boroughs sehen wir eine Wüstenstadt, die zu einem Zentrum für alte Menschen umgebaut wurde, inklusive geschlossener Abteilung. Alles zuckersüß und altersgerecht. Aber da gibt es ein Geheimnis (die Showrunner sind auch für Stranger Things verantwortlich). Eine Gruppe von Einwohnern, teils kiffend, teils sexuell mäandernd, merkt bald, da stimmt was nicht. Denn die Betreiber sind Menschen, die sich durch das Anzapfen der Bewohner Lebenszeit kaufen… kurz ausgedrückt.

—-Spoiler Ende——–

Beide Serien schildern also, streng genommen, Ausbeutung, die mit dem Alter zu tun hat. Und damit, dass jeder seine Form des Alterns lebt.

Klar, die Industrie und Werbung haben schon längst die Wirtschaftskraft des Alters entdeckt, aber es fehlt etwas, was es früher — ich bin in einer klassischen Siedlung aufgewachsen — heute kaum noch gibt: das Nebeneinander, diese Selbstverständlichkeit, wie verschiedene Altersgruppen miteinander umgehen, die Akzeptanz, dass junge Menschen eben junge Menschen sind, Krach machen und nicht immer vernünftig und normgerecht handeln, und die Akzeptanz, dass alte Menschen manchmal grummelig sind und ihre Zipperlein pflegen.

In meiner Siedlung gehörte es dazu, man kannte sich, und die Älteren passten auf die Jüngeren auf, und die Jüngeren schimpften auf die Alten, halfen ihnen aber auch, wenn es notwendig war.

OK, ich weiß schon, jetzt kommt Dylans Forever Young, oder Alphaville. Aber ich halte es lieber als Swifti mit Taylor Swift:

Life is a song, it ends when it ends. You move on.

Opalite, Taylor Swift ‧ 2025

Es ist spannend, wie diese kleine Zeile von Taylor Swift zitiert wird, teilweise als Love is a song, it ends when it ends, you move on, teils als Life is a song, it ends when it ends, you move on.

Ich habe auch Life verstanden — ich höre den Song immer beim Joggen —, aber vielleicht hat sie es genau deshalb so undeutlich gesungen, um zu zeigen, dass zwischen Life und Love eine so enge Verbindung besteht.

Ehrlich, mir liegt Taylor Swift mittlerweile näher als Dylan, obwohl ich ihn live erlebt habe und er eigentlich eher zu meiner Generation passt,
aber so ist das: Im Alter wird man freier, was solche Sachen angeht.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

Interessanterweise haben weder Claude noch Perplexity noch Gemini die Textzeile auf Anhieb gefunden, während ich sie beim Joggen gehört habe.
Eine Erkenntnis daraus, wenn es um Swift geht: Glaubt nicht alles, was euch so digital geliefert wird — vertraut euch selbst.

Was soll ich von künstlicher Intelligenz halten, wenn sie Taylor-Swift-Songs nicht kennt.