Die Welt hat Angst vor KI, die KI hat Angst vor Bremerhaven

Die KI, die Züge und die Deutsche Bahn

Selbst die Tech Bros haben Angst vor künstlicher Intelligenz. Kluge Menschen sitzen in Anhörungen des US-Kongresses und warnen vor einer Technologie, die bald schlauer sein könnte als wir alle zusammen. AGI. Superintelligenz. Die Maschine, die alles kann.
Antropics Mythos hat die KI Welt erzittern lassen!

Eine Maschine, sie Alle zu beherrschen?

Ich hab die Maschine(n) letzte Woche gefragt, wann der nächste Zug von Bremerhaven nach Rotterdam fährt.
Bekannterweise liebe ich die Niederlande, der pragmatische Umgang mit Verkehr und Lebensqualität. In Rotterdam kann man erleben, wie eine echte Großstadt, eine Weltstadt geprägt durch einen der größten Häfen der Welt so viel Lebensqualität wie eine Kleinstadt hat.
Ein Königreich für Fußgänger und Radfahrer. Da wollte ich mal wieder nach Jahren hin.

Überhaupt, wer sich mal mit dem System OVPay der Niederländischen Bahn beschäftigt hat, genial und genial einfach. Das Land der Ingenieure und Denker bekommt das einfach nicht hin. Zum Fremdschämen.

Rotterdam: wie hinkommen?

OK, konsequenterweise mit dem Zug. Also habe ich meine KI Freunde gefragt, wie ich dort hinkommen soll.
Sie haben nachgedacht. Sie haben gesucht. Sie haben Datenbanken durchforstet.
Und dann hat mir Claude, der Einfühlsame, erklärt, dass die Deutsche Bahn ihre Fahrplandaten hinter einem JavaScript-Frontend versteckt, das er technisch nicht aufrufen kann und mir empfohlen, die DB-App zu nutzen.

Die Superintelligenz empfiehlt: die DB-App!

Das ist kein Versagen der KI. Das ist ein ziemlich präzises Röntgenbild der Deutschen Bahn IT. Was die schlaueste Technologie der Menschheitsgeschichte in die Knie zwingt, ist kein Quantenproblem. Es ist eine Webseite aus dem Jahr 2015, die ihre Daten nicht herausrückt.
Aber gut, wir haben uns dann zusammengerauft. Die Route steht: RS2 von Bremerhaven nach Bremen, dort einsteigen in den GoVolta Richtung Amsterdam, weiter mit dem NS Intercity nach Rotterdam. Eigentlich ganz elegant.

Eigentlich.

Denn an dieser Stelle wurde die Claude ehrlich. Den Abschnitt Bremen–Amsterdam, betrieben vom niederländischen Startup GoVolta — transparent, günstig, klar buchbar, mit garantiertem Sitzplatz, den kann sie planen.
Den ersten Abschnitt, RS/RB von Bremerhaven nach Bremen, betrieben von der NordWestBahn oder DB auf Gleisen der Deutschen Bahn den mag sie nicht vorhersagen.
Bei den Regionalzügen der Bahn sieht es noch schlimmer aus.
Nicht weil die Daten fehlen.
Sondern weil eine Vorhersage eine gewisse Wahrscheinlichkeit voraussetzt, dass das Vorhergesagte auch eintritt.
Ein niederländisches Startup, gegründet vor wenigen Jahren, ist für eine KI planbarer als die Verbindung zwischen den zwei Städten des Landes Bremen.

Das liegt nicht an NordWestBahn, die den Zug betreibt. Die fahren auf Gleisen, die ihnen nicht gehören, die sie nicht sanieren können und über deren Zustand sie selbst oft genug im Dunkeln tappen. Das marode Schienennetz der DB Infrastruktur ist das eigentliche Problem — ein Jahrzehnte altes Versäumnis, das sich jetzt in verspäteten Regionalbahnen materialisiert und offenbar selbst Algorithmen zur Kapitulation zwingt.
Ein niederländisches Startup ist für eine KI planbarer als die Verbindung zwischen den zwei größten Städten des Landes Bremen. Nicht weil die Niederländer schlauer sind — sondern weil sie in ihre Infrastruktur investiert haben.

Silicon Valley fürchtet die Maschine.
Die Maschine fürchtet bahn.de.
Und die Bahn?
DB fürchtet offenbar niemanden sie macht einfach, was sie will.

Irgendwie sagt das mehr über den Zustand der deutschen Infrastruktur als jede Verkehrsstudie.