Uwe Schneidewind, der ehemaligen Oberbürgermeister von Wuppertal, vorher Leiter des Wuppertal-Instituts für Nachhaltigkeit, zieht nach einer Legislaturperiode Bilanz und beschreibt eindringlich den enormen Druck, dem Kommunalpolitiker ausgesetzt sind. Viele Beispiele aus Wuppertal wirken wie ein Déjà-vu für Bremerhaven: Parteimachtkämpfe überlagern Sachfragen, Haushaltsprobleme durch unterfinanzierte Sozialaufgaben und Konflikte mit dem Land (hier Bremen) treiben Kommunen an den Rand der Pleite.
Der Druck wird spürbar
Schneidewind schildert nicht nur den bürokratischen Kampf vom „Verwaltungsguerrilla“ bis zum „Verwaltungspartisan“ , sondern vor allem die persönliche Belastung. Kollegen steigen aus, kompetente Kandidaten meiden Ämter, weil der Druck durch Wutbürger, soziale Medien und raue Stimmungen zu groß wird. Jeder vierte Kommunalpolitiker kennt Anfeindungen, Überlastung durch Ehrenamt plus Beruf führt zu Rückzug. Wirtschaftskrisen wie Inflation und Migration werden auf Lokalpolitiker projiziert, Medien verstärken das ungewollt.
Ein Ausweg für Bremerhaven?
Bremerhaven steckt im Verfassungsproblem: Keine OB Direktwahl, ständige Spannungen.
Mein Vorschlag: Torsten Neuhof als Interims-Oberbürgermeister, ein akzeptierter Politiker, der Ruhe bringt.
Langfristig eine moderne Stadtverfassung wie in NRW mit OB-Direktwahl einführen, um Druck zu mindern und Bessere anzuziehen.
Dazu mehr ziviles Engagement einbinden, wie Schneidewind es für Wuppertal lobt, sonst rutschen nur Ungeeignete ins Amt.
Aufruf zur Deeskalation
Die Stimmung muss runter: Politik, Presse, Bürger auf Augenhöhe. Das Buch hat mich nachdenklich gemacht. Es zeigt, wie nah Druck und Pleite beieinanderliegen. Bremerhaven verdient gute Kommunalpolitik mit Politikern, die ihr Amt gerne ausfüllen.