ekrowski.net

Eine Dezernentin für schönes Wetter

Andrea Toense ist für Gesundheit, Klima und Umwelt zuständig.
Drei Bereiche, die beim Straßenverkehr perfekt zusammenpassen würden – wenn man denn wollte.



Zwei Artikel, eine Dezernentin, und ein Widerspruch, der sich nicht ganz wegdiskutieren lässt.

Am 14. März weist Andrea Toense (SPD) die Kritik an gefällten Bäumen an der Rickmersstraße zurück: Hafenstandort, Quarantänestationen, alles genehmigt, Grünflächen seien nicht das „alleinige Entscheidungskriterium“. Zwei Tage später, im großen Interview, spricht dieselbe Frau über Klimaanpassung, Hitzeschutz und die Notwendigkeit, Bremerhaven grüner zu machen. Ausgerechnet die Rickmersstraße dient dabei als Vorzeigeprojekt des RE:SET-Programms.

Man könnte das einen Zufall nennen. Man könnte es auch Programm nennen.

Schaut man sich Toenses Klimaprojekte nämlich genauer an, fällt auf:
Wärmeplan – bundesweit gesetzlich vorgeschrieben.
Hitzeaktionsplan – Pflichtaufgabe.
Klimaanpassungsstrategie – fortgeschrieben, nicht erfunden.
Straßenbäume und LED-Umrüstung – löblich, aber kommunaler Standard.
Das alles ist solide Verwaltungsarbeit. Es ist kein Klimaprogramm.

„Klimaschutz ohne Konfliktbereitschaft bleibt Symbolpolitik.“

Was wirklich fehlt, lässt sich an einem einzigen Beispiel zeigen: dem Straßenverkehr. Bremerhaven ist eine schmale, längliche Stadt – vier Kilometer breit, dreißig lang. Eine Geografie, die geradezu nach Tempo 30 und Verkehrsreduktion schreit. Günstig, schnell umsetzbar, sofortige Wirkung bei Emissionen und Lärm. Und hier wird es interessant.

Toense ist nicht nur für Klima und Umwelt zuständig; sie trägt auch die Verantwortung für Gesundheit. Lärm und Feinstaub sind keine abstrakten Umweltprobleme, sondern klinisch belegte Gesundheitsrisiken: Herzkreislauferkrankungen, Atemwegserkrankungen, Schlafstörungen. Bremerhavens eigener Lärmaktionsplan attestiert der Stadt, zu laut zu sein. Die WHO hat 2021 den Klimawandel zur größten Gesundheitsbedrohung der Menschheit erklärt.

Toense kennt diese Zusammenhänge. Sie zitiert die WHO sogar im Interview. Aber Tempo 30? Verkehrsreduktion?
Kein einziges Mal erwähnt.
Stattdessen: Aufklärung über Vapes und gesunde Ernährung.
Wichtig, ja. Aber auffällig bequem.

Das Muster ist damit vollständig: Engagement dort, wo kein Gegenwind kommt. Pflichtaufgaben werden abgearbeitet, Förderprogramme beantragt, Broschüren gedruckt. Aber die Stellschrauben, an denen ihre drei Zuständigkeiten sich gegenseitig verstärken würden und die echten Widerstand erzeugen könnten werden gemieden.
Sobald Klimaschutz gegen Hafeninteressen steht, verliert er.
Sobald Gesundheitsschutz Autofahrer betrifft, taucht er im Interview schlicht nicht auf.

Bremerhaven hat das Ziel, 2038 klimaneutral zu sein.
Toense räumt selbst ein, dass dieses Ziel „nun deutlich erschwert“ sei, ohne erkennbare Dringlichkeit, ohne Plan B.
Eine Stadt, die es ernst meinte, hätte eine Dezernentin, die unbequeme Debatten anzettelt.