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Von Trumps Gier auf Venezuelas Öl zum Poker um Grönland
Einleitung
Sind wir in einem düsteren Film, oder in einer düsteren Realität: die Grenzen verschwimmen? Genau so fühlt sich die Weltpolitik in diesen Tagen an. Innerhalb von nur 48 Stunden hat sich die Logik der Diplomatie zu einem Drehbuch der reinen Gier verschoben. Der Angriff auf Venezuela und die Drohungen gegen Grönland sind keine Zufälle.
Wir erleben die Geburtsstunde der „Plainview-Doktrin“.
1. Akt: Venezuela – „I drink your milkshake“
Daniel Plainview in There Will Be Blood? Er erklärt rücksichtslos, dass er das Öl des Nachbarn einfach mit einem schrägen Strohhalm absaugt: „I drink your milkshake!“ Genau diesen „langen Strohhalm“ sehen wir gerade in Venezuela:
Präsident Trump sagt ganz offen „Wir brauchen den Zugang zum Öl“.
( über den Bluesky Post ist der NYT Beitrag ohne PW erreichbar)
Es geht nicht mehr um Freiheit oder Demokratie. Es geht um Beute. Diese militärische “Sonder Aktion” ist nichts anderes als der Versuch, ein ganzes Land auszusaugen, als wäre es nur ein Fleck auf einer Landkarte und kein Volk mit einer eigenen Geschichte.
2. Akt: Grönland – Wenn Arroganz zur Strategie wird
Aber, es geht schlimmer weiter als sich ein Drehbuchautor ausdenken kann: die Storyline des Autokraten, sein Drehbuch geht im hohen Norden weiter und es wird hässlicher.
Trump verspottet die dänische Verteidigung als „Hundeschlitten“.
(Guardian)
Es ist diese tiefe Verachtung für die Souveränität anderer, die mich fassungslos macht. Wer Grönland als bloßes „Immobilienobjekt“ betrachtet, das man wegen der Rohstoffe „haben muss“, behandelt Verbündete nicht wie Partner, sondern wie lästige Mieter, die einer feindlichen Übernahme im Weg stehen.
Es ist der Moment im Film, in dem der Bösewicht merkt, dass er keine Maske mehr braucht.
3. Akt: Der Preis der Gier – Ein Spiel mit dem Feuer
Aber hier hört die Storyline auf und die gefährliche Realität beginnt. Das ist kein Kino-Spektakel mehr, das ist ein Spiel mit dem dritten Weltkrieg. Grönland ist NATO-Gebiet.
Wenn die USA die Grenzen eines Alliierten nicht mehr respektieren, bricht das ganze Kartenhaus zusammen. Das ist das Signal, auf das andere gewartet haben. Während Washington in der Arktis mit den Muskeln spielt, könnte Putin die Gunst der Stunde nutzen und sich den Korridor nach Kaliningrad holen. China könnte Taiwan angreifen. Warum auch nicht? Wenn der „Anführer der freien Welt“ das Recht des Stärkeren predigt, gibt es keine Regeln mehr. Dann herrscht überall das Gesetz der Straße. Wir riskieren einen globalen Flächenbrand, nur weil jemand den Hals nicht voll bekommt.
Fazit: Wir stecken mitten im Drehbuch
Was uns im Kino noch als verstörende Charakterstudie eines Wahnsinnigen fasziniert hat, ist im Jahr 2026 zum offiziellen Handbuch der US-Außenpolitik geworden. Die Welt ist kein Ort der Zusammenarbeit mehr, sondern eine Beutekarte.
Die dänische Premierministerin hat recht: Man kann andere Länder nicht einfach annektieren. Aber in einem Drehbuch, in dem nur noch Gier und Gewalt zählen, ist „Recht“ nur noch ein Wort für Verlierer. Und das ist das Erschreckendste an diesem Film, in dem wir alle gerade ungefragt mitspielen.




