
Vorab: Dieser Blog ist eine persönliche Kommentierung. Texte und Bildideen wurden teilweise mit KI-Unterstützung entwickelt;
Verantwortung und Einordnung liegen beim Autor.
(1) Die Schrödinger-Gesellschaft.
Komischer Titel, ich weiß. Eigentlich passt Heisenberg besser, mit seiner Unschärferelation.
Ich wurde zuletzt wieder damit konfrontiert, als ich bei einem Klassentreffen meine alte Abi-Arbeit
im Leistungskurs Physik in den Händen hielt und sie, auf diesem harten Stuhl sitzend las.
Ich habe nicht eine Zeile verstanden und mein damaliges Ich im Nachhinein bewundert.
Kurz:
Wenn du etwas beobachtest, veränderst du auch den Gegenstand der Beobachtung.
So Heisenberg! Das gilt eigentlich im Quantenbereich, hat aber viel mit unserer Zeit zu tun.
Wenn etwas nicht geliked wird, ist es nichts.
Und da ich hier auch über Soziale Medien spreche, sind Katzen nicht weit und
damit das Gedankenexperiment von Schrödinger. (Ich hoffe, es war nur ein
Gedankenexperiment!)
Kurz:
Katze in eine Kiste legen,
radioaktives Element,
50/50 Chance des Zerfalls.
Wenn Zerfall: Katze tot,
wenn kein Zerfall: Katze lebt.
Die Kiste ist zu, kein Blick ins Innere möglich!
Ist die Katze jetzt tot oder lebendig?
Wenn man nur die geschlossene Kiste sieht, ist die Katze alles gleichzeitig, bis jemand den Deckel hebt, und das 50/50 Ergebnis möglichst nicht auf TikTok postet.
Beobachtung, Identität und Öffentlichkeit
In der Sozialpsychologie gilt: Identität wird performativ durch Beobachtung erzeugt. Digitale Öffentlichkeit verstärkt exakt dieses Paradox:
„Ich bin, was gesehen wird.“ Das macht die Schrödinger-Metapher überraschend präzise für die Gegenwart.
(2) Die Kreuzfahrt als Kiste
Stellen wir uns ein Kreuzfahrtschiff vor. Auch eine Schrödinger Kiste.
Warum? Geschlossener Raum auf See, von Land aus kann ich nicht sehen, was sich dort
abspielt. Aber da gibt es noch etwas: Alexis Papathanassis nennt es „Instagramability“.
Soll heißen:
Wenn etwas nicht gepostet werden kann, ist es nichts wert, existiert quasi nicht.
Und auf einem Kreuzfahrtschiff kann viel gepostet werden.
Und die Generation Z hat erkannt: das funktioniert auf einem Kreuzfahrtschiff gut.
So zumindest ein Beitrag in der FAZ.
Wir wissen nur etwas vom Innenleben Schrödingers AIDA, wenn etwas gepostet wird.
Analyseblock (2) – Instagramability
„Erlebnis“ wird sekundär, „Erzählbarkeit“ primär.Das Schiff wird zum kontrollierten Raum, der Erlebnisproduktion für Bilder ermöglicht. Körperliche Erfahrung wird durch visuelle Selbstinszenierung ersetzt → Entkörperlichung.
(3) Generationenwechsel und Weltgefühle
Jetzt könnte das die berühmte Opa-schimpft-über-die-Jugend-Erzählung werdem. Ich gehöre der Kreidler-RS-Golf1-Manta Generation an.
Ich habe das Ende des Kalten Krieges erlebt und eine, trotz vieler Krisen, stabile Weltordnung (…ewig Kohl, ewig Merkel)
Heute ist etwas ins Rutschen geraten.
Und die Gen Z hat sich angepast.
Zunächst driftet sie nach rechts. Sie gehört mittlerweile zum klassischen Beuteschema der
Rechten.
Wie Ross Douthat kürzlich in der NYT analysiert: Junge Männer radikalisieren sich, weil DEI-Politiken sie bei Elite-Jobs systematisch benachteiligen – eine „Lost Generation“ mit greifbaren Ressentiments gegen das System
Wie kann ein so spießiges Weltbild – eines, das Andersdenkende, das alternative
Lebensetwürfe verachtet und am liebsten alle Gebärfähigen zwangsbefruchten würde,damit der Volksköper erhalten bleibt – junge Menschen faszinieren?
Und was hat
das mit Kreuzfahrten zu tun?
Rechtsdrall & Unsicherheit
Studien zeigen: Politische Unsicherheit korreliert stark mit dem Wunsch nach Ordnung und
klaren Rollen.
Je weniger stabile Zukunftsbilder, desto attraktiver autoritäre Ideologien.
Die Kreuzfahrten waren und sind beliebt bei älteren Generationen und Familien, weil sie
Safe Spaces auf See darstellen. Alles gut durchorganisiert. Alles kontrolliert.
Kein Risiko. Eigentlich ist die Versorgung von Senioren besser als in vielen Seniorenheimen
und der Weg des Arztes zum Notfall kürzer.
Aber!
CLIA-Daten zeigen eine Verjüngung.
Die Kreuzfahrt ist der perfekte Raum für eine überforderte Generation: maximaler Erlebniswert bei minimalem Planungsaufwand. Ein Foto, ein Video – fertig.
Eigentlich ist es ein Rückzug. Wenn man ein paar Jahre zurückschaut, da hatten viele Großstädte eine ausgeprägte Clubkultur.
Aber die liegt in den letzten Zügen. Wenn man noch die Clubkultur vor Augen hat: Damals ging man auf volles Risiko. Man
wusste nicht, wie ein Abend ausgeht.
(4) Rückzug aus dem Risiko: Kreuzfahrt und Clubkultur
Ein Rave war und ist eine Herausforderung: Thrill und Risiko pur.
Nächte bei denen man nicht wußte, wie sie enden, mit wem sie enden.
Heute ist das für viele zu belastend. Sie sind verunsichert, sobald sie ihren sichere
Umgebung verlassen müssen. Eine sichere Umgebung sind für viele die Sozialen Medien.
Der Jugendpsychologe Allan Guggenbühl sagt, Social Media gaukle ein
Gemeinschaftsgefühl vor – die „Illusion des Dabeiseins“.
„Sie sind diesbezüglich schon fast degeneriert.“
Und da passt nun auch die Kreuzfahrt hinein: ein Safe Space, der gleichzeitig hohe
Instagram-Qualitäten besitzt. Und man ist unter sich.
Man sucht Gleichgesinnte nicht mehr in der Wirklichkeit, sondern auf Instagram:
„Droppt mal eure nächsten AIDA-Termine.“
Die Gleichgesinnten befinden sich auch auf dem Schiff, man bleibt unter sich als
geschlossene Gesellschaft. Aber, die Kriterien, die diese Gesellschaft zusammengeführt
haben, basieren auf Angst vor freier Interaktion in einer offenen Gesellschaft und Angst vor
unkontrollierbarer Interaktion.
Der Escape Room, die geordneten bürgerliche Gesellschaft, wie meine Generation die
Gesellschaft noch empfunden hat wird nun zum Safe Place
Kontrollräume
Körperliche Interaktion ist unvorhersehbar; digitale Interaktion kontrollierbar.
Gen Z verschiebt Begegnung in digitale Vorfilter: weniger Unsicherheit, aber auch weniger
Resonanz.
(5) Sex als Maßstab der Körperlichkeit
Diese Angst vor unkontrollierter Interaktion führt zu einem Paradox.
Die Generation Z ist auch die Pornhub-Generation. Sie lieben Pornos,
aber haben Probleme mit Sex.
Die sexuelle Revolution der 68er – das Versprechen sexueller Freiheit – wird heute als zu
große Komplexität empfunden.
Flirten, früher eine Kunst, ist verkümmert.
Die sexuelle Freiheit der 68++ wurde zunächst im bürgerlichen Lager argwöhnisch beobachtet, aber die Marketingabteilung entdecken früh das Potential. Ein schönes Beispiel
ist die Afri Cola Reklame, die heut wohl so nicht mehr möglich wäre.
Die schnelle Kommerzialisierung, auch eine Schwemme von Soft-Pornos und
Aufklärungsfilme führte zu einer Abstumpfung.
AIDS war die historische Bruchstelle:
Stigmatisierung, Angst, moralische Schuldzuweisungen, Segmentierung des Sexualliebens
später die Segmentierung der Zugehörigkeiten, die dann zu indentitären Weltbildern führte.
Corona hat dem Körpermisstrauen bei heranwachsenden Generationen zum
Durchbruch verholfen. Der Körper wurde zum wenig vertrauenswürdigen Annex der
Persönlichkeit. Avatare können sich nicht anstecken.
Diese Entwicklungen haben körperliche Nähe für viele zum Risikofaktor gemacht.
Körperlichkeit & Risiko
Körper = Risiko, digital = sicher.
Die Vermeidung körperlicher Unsicherheit führt zu Entkörperlichung und damit zu
vermindertem Empathieempfinden.
(6) Körperlichkeit → Empathie ./. Härte
Sex ist nur erfüllend, wenn er für alle selbstbestimmt und befriedigend ist.
Also nicht, was Epstein und seine Bros darin sehen und sahen: Sex als hedonistischer Machtbeweis.
Sex ist für mich der Maßstab von Körperlichkeit.
Und Körperlichkeit ist der Prüfstein dafür, ob wir “Nähe” überhaupt noch aushalten,
den Nächsten noch aushalten ihn auch in seiner Körperlichkeit begreifen.
Wenn ich meinen eigenen Körper nur noch als Risiko, Störung oder Benutzeroberfläche erlebe,
dann begreife ich auch den Körper des anderen nicht mehr.
Der Mensch wir zum Avatar, eingebettet in Kommentare, Liks, Follower.
„Make Love Not War“ war nie naiv.
Es war eine anthropologische Wahrheit: und gerade deshalb kämpften schon in den 68 autoritäre Bros gegen die Bewegung. Sie erkannten, daß sie sich dieser Generation nicht bemächtigen konnten.
Wer Nähe zulässt, will nicht töten.
Wenn Körperlichkeit verschwindet, verschwindet Empathie.
Und wo Empathie fehlt, entsteht Härte.
Sayaka Muratas Roman „Schwindende Welt“ beschreibt die extreme Konsequenz:
eine Gesellschaft, die Sexualität delegitimiert und Fortpflanzung technisiert.
In der Gesellschaft, die Murate beschreibt, ist Sex, der Austausch von Körperflüssigkeiten,
verpönt, die künstliche Befruchtung ist der Standart.
Die Familie wird als System, als Religion betrachtet, als Gemeinsamkeit von Mann und Frau, um Kinder großzuziehen. Sex in der Ehe, wird als inzestiös empfunden, Sex hat man mit Liebhabern und
Geliebten. Tief empfundene Liebe findet man in dieser Welt nur vereinzelt in der Liebe zu
Manga Figuren mit denen man auch fiktiven Sex haben kann.
Wenn wir die Manga Figuren dieser Fiktion mit online Dating, Social Media Formen
ergänzen, beschreibt Murata eine Welt, wie sie sich die Rechten vorstellen.
Die Familie als kleinst-Einheit des Systems, befreit von Sex und tief empfundenen Emotionen.
Wirkliche Emotionen gibt es nur noch in einer “anderen Welt” für Zeichentrickfiguren.
Sex als Befreiung aus dem Muff!
Und wenn man ehrlich ist: Dieser ganze Muff, gegen den die 68er damals anrannten, die
autoritäre Enge, die moralische Kontrolle der Körper, die Scham, die Disziplinierung, das
alles ist mit den Rechten wieder zurückgekommen.
Nur in neuen Farben und mit besserem Social-Media-Team. Dieselbe Angst vor dem freien Körper, derselbe Reflex abweichende
Lebensentwürfe als Bedrohung zu sehen.
Männlichkeits Rituale als politische Initiierungs Rituale.
Manchmal glaube ich, die Welt ist einmal im Kreis gelaufen und in einem Raum
gelandet, den wir eigentlich längst hinter uns gelassen hatten.
(6)– Entkörperlichung & Autoritarismus
Körperresonanz ist Grundlage von Empathie.
Digitale Identität ist körperlos → reduzierte Resonanz → höhere Härtetoleranz.
Autoritäre Ideologien gedeihen in körperarmen sozialen Umgebungen. Die 68er-Bewegung richtete sich gegen eine Körper- und Sexualmoral, die Gehorsam, Scham und Disziplinierung verlangte.
Autoritäre Ideologien reproduzieren diese Muster: Kontrolle des Körpers, Kontrolle der
Rollen, Kontrolle der Intimität.
Die Rechten in Deutschland knüpfen an denselben moralischen Mechanismus an – nur mit neuen Feindbildern („Gender“, „Woke“, „LGBTQ“).
Politikwissenschaftlich lässt sich hier eine zyklische Rückkehr autoritärer Körperpolitik
erkennen: Der „Muff“ kehrt zurück, wenn gesellschaftliche Unsicherheit steigt.
Pussy Riot haben sich mit ihren Busen gegen Putin gestemmt, und seine Reaktion zeigte,
daß er Angst hatte. Das Foto der nackten Kommune 1 wurde zum Symbo der 68 und
John Lennon hat nicht ohne Grund mit Yoko Ono im Bett demonstriert, der Rückzugsort und der
Ort, den wir wohl am ehesten mit Sex verbinden.
(7) Die politische Konsequenz: einfache Antworten
Kein Wunder, dass viele junge Menschen die Welt heute als feindseligen, krisenhaften Raum empfinden.
Keine Gewissheiten. Keine verbindlichen Rollen.
Und genau hier kommen autoritäre Ideologien ins Spiel.
Nicht trotz ihrer Strenge. Sondern wegen ihrer Strenge.
Sie bieten das, was fehlt: Eindeutigkeit.
Woke steht auf einmal repräsentativ für diese Welt, vor der sich viele junge Menschen
fürchten, das Armageddon der Rechten.
Und, auf einmal ist klar, nicht man selbst ist für die eigenen Ängste verantwortlich, es gibt einen Feind.
Psychologie der Härte
Härte bietet Entlastung: Sie reduziert Ambiguität.
Die politische Rechte verkauft Härte als Lösung für Überforderung.
(8) Die doppelte Moral der deutschen Rechten („Elite/Elite“) –
Die deutschen Rechten arbeitet mit zwei Moralen.
Für die eine Elite, gegen die man kämpft, die „da oben“, gelten strenge Regeln.
Für die eigene Führungsriege gelten andere Regeln.
Alle sind gleicht, manche gleicher, frei nach Orwell.
Das ist kein Widerspruch, das ist das System. Identität zählt nicht, solange die Rolle stimmt.
Und deshalb stört es auch niemanden, dass eine lesbische Frau an der Spitze steht.
Härte schlägt Herkunft. Dominanz schlägt Biografie. Loyalität schlägt Logik.
Moralischer Partikularismus
Autoritäre Ideologien haben zwei Moralordnungen:
– Fremd-Elite → moralisch verurteilt
– Eigen-Elite → moralisch entlastet
Identität ist sekundär, Funktion primär.
(9) Der moralische Notanker
Für viele Anhänger wirkt der Lebenslauf der Vorsitzenden einer rechten Partei wie eine Beruhigungstablette.
Wenn ihnen der Kurs der Partei zu hart vorkommt, wenn Zweifel kommen, hilft ein Gedanke:
„So schlimm kann sie ja nicht sein – eine lesbische Frau an der Spitze.“
Die Ausnahme dient nicht der Öffnung der Partei, sondern der Selbstrechtfertigung.
Ein politischer Lavendelduft.
Moral Licensing
Eine Ausnahmefigur erlaubt Anhängern, das System moralisch zu entlasten. Man nennt das „moral licensing“:
Einzelne Abweichungen legitimieren ein ansonsten hartes System. ( War doch alles gar nicht so schlecht, wenn nicht….)
(10) SM: Sado Maso und Social Media
Die Mutter aller Fehlentwicklungen im Internet war die Anonymität, die nicht zur Ausnahme,
sondern zum Standard wurde.
In autoritären Systemen schützt sie Oppositionelle. In offenen Gesellschaften enthemmt sie
die, die nicht erkannt werden wollen, die verunsicherten.
Wie auf einer SM-Party tragen sie Masken, Avatare, Pseudonyme. Nur dass der Grund der Unbestimmtheit, der Gesichtslosigkeit nicht Lust, sondern Angst ist: die Angst, sich zu zeigen.
In Deutschland gilt es als anrüchig, Sexualität und rechte Ideologie zusammenzudenken.
Aber auch Ideologien, Politische Weltbilder haben immer etwas mit Sexualität zu tun, mit Rollenbildern.
Die Rechten haben das verstanden. Ihre Sexuellen Rollenbilder klar definiert, man zelebriert die männliche InitialisierungsRituale auf SM.
SM stand früher fast nur für Sado Maso. Aber SM muß sich die Initialen heute mit Social
Media teilen. Erstaunlich: die Logik ist ähnlich: Rollen, Masken, Unterwerfung, Härte parallel Welten.
Das Selfie ist Maske, nicht Gesicht.
In dieser Atmosphäre der Verunsicherung ist das rechte Weltbild für viele der Anker.
Es bietet klare Konturen für verunsicherte Menschen.
„Folge uns – und du musst nie wieder zweifeln, brauchst dich nicht zu verstecken. Das
erklärt auch den Hang zum Selbstbekenntnis auf TikTok und Co.
Rechte Männlichkeitsperformanz (Connell, Kimmel): Dominanz als Identität.
Digital verstärkt durch Algorithmen, Ironie, Erniedrigung.
Historisch: repressiver Sexualmoralismus und Autoritarismus gehören zusammen (Reich
1933).
Strukturprinzip: Hierarchien, Kontrolle, Angst.
Die politische Rechte bietet der Jugend einen faustischen Pakt an:
Sie verspricht eine Rückkehr zur Ordnung, zur Eindeutigkeit der Geschlechterrollen und zur Keuschheit. Im Gegenzug fordern sie die Abgabe der sexuellen Freiheit, die, wie die Bilder der Hippie-Bewegung zeigten, immer auch eine politische Freiheit ist.
Hier liegt jedoch die große Heuchelei dieser Ideologie.
Während die Basis sich in traditionelle Rollen zurückziehen soll, nehmen sich die autoritären Eliten selbst aus dieser Moral aus.
Sie predigen Keuschheit und Fortpflanzung, praktizieren aber hinter verschlossenen Türen eine Sexualität,
die auf Macht, Unterdrückung und Dominanz ausgerichtet ist.
Für sie ist Sex kein Ausdruck von Freiheit, sondern ein Werkzeug der Elite, um die eigene Distanz und Überlegenheit zu demonstrieren.
Digitale Entmenschlichung
Analyseblock: Anonymität & digitale Enthemmung
Online Disinhibition Effect (Suler 2004): Anonymität → Aggression, Polarisierung.
Algorithmen belohnen extreme Inhalte: Emotion > Wahrheit.
Rechte nutzen diese Struktur hoch effizient:
sofortige Identität, sofortige Feindbilder.
Digitale Kommunikation schwächt Körpereindruck → schwächt Empathie → erhöht Härte
und Tribalismus.
(11) Schluss
In dieser Welt der Selbstinszenierung, die im Kern auf Angst vor der Realität beruht,
sind die rechten Parteien perfekt eingespielt.
Sie liefern einfache Lösungen für die, die die Komplexität der Welt nicht mehr ertragen.
Die Schrödinger-Gesellschaft: sie kämpft gegen ihre Verunsicherung, indem sie sich
permanent inszeniert, weit weg von jeglicher Körperlichkeit.
Man kann ihren Zustand nicht
eindeutig bestimmen, sie ist halb tot, halb lebendig.
Wir müssen wieder lernen zu lieben
und vergessen zu hassen
Quellen:
Aktuell:
NYT; Ross Douthat: There’s a Simpler Explanation for the Rightward Shift of Young Men;Dec. 16, 2025
https://www.nytimes.com/2025/12/16/opinion/young-white-men-discrimination.html
Schrödinger-Katze https://de.wikipedia.org/wiki/Schr%C3%B6dingergleichung
Heisenbergs Unschärferelation https://de.wikipedia.org/wiki/Unsch%C3%A4rferelation
Jugendsexualität, Pornhub-Generation, „Richtige fehlt“
- BZgA-Jugendsexualitätsstudie, 9. Welle – Überblick & Daten (14–25 Jahre, Gründe für Zurückhaltung, Altersverschiebung):
https://jugendinfoservice.dresden.de/de/fachkraefteportal/service/download/publikationen/bzga-studie-jugendsexualitaet.php - Projektseite „Jugendsexualität 9. Welle“ (Längsschnitt, Themenfelder wie erste sexuelle Erfahrungen, Verhütung, Medien der Sexualaufklärung):
https://www.sexualaufklaerung.de/forschungsprojekt/jugendsexualitaet-9-welle-repraesentative-wiederholungsbefragung-die-perspektive-der-14-bis-25-jaehrigen
Kreuzfahrt, Verjüngung, „Instagramability“
- CLIA „State of the Cruise Industry Report 2025“ – Anteil Jüngerer (Gen-X und jünger ~67 % der Passagiere):
https://cruising.org/sites/default/files/2025-05/State%20of%20the%20Cruise%20Industry%20Report%202025.pdf - Altersstruktur kompakt mit Bezug auf junge Zielgruppen:
https://porteconomicsmanagement.org/pemp/contents/part7_1/ports-and-cruise-shipping/average-cruise-passenger-age-group/ - Warum die Gen Z plötzlich Kreuzfahrten macht https://www.faz.net/aktuell/finanzen/warum-die-gen-z-ploetzlich-kreuzfahrten-macht-110793278.html
Social Media, Enthemmung, Anonymität (SM = Social Media / Sado-Maso)
- John Suler (2004): „The Online Disinhibition Effect“ – Anonymität, Maskierung und Enthemmung im Netz:
https://johnsuler.com/article_pdfs/online_dis_effect.pdf
https://ffd.dk/media/12482/online-disinhibition-effect-suler-2004.pdf
Jugendsexualität & Social Media (Brücke zu Entkörperlichung)
- Projektseite BZgA „Jugendsexualität…“ – Medien der Sexualaufklärung, Körperbild, Online-Kontexte (passt zu deiner These „Körper = Risiko, Digital = sicher“):
https://www.sexualaufklaerung.de/forschungsprojekt/jugendsexualitaet-9-welle-repraesentative-wiederholungsbefragung-die-perspektive-der-14-bis-25-jaehrigen - The Loneliness Crisis Hits SNL https://www.theatlantic.com/culture/2025/12/snl-male-loneliness-andrew-dismukes/685176/
- Hat die Generation Z keinen Bock mehr auf Party? https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/heilbronn/generation-z-keine-lust-mehr-auf-party-umfrage-kuenzelsau-schwaebischhall-heilbronn-100.html
Autoritarismus, Sexualmoral, Rechte
- Wilhelm Reich, „Die Massenpsychologie des Faschismus“ (1933) hier:
Wilhelm Reich: Massenpsychologie des Faschismus - Alex Demirović im Gespräch mit Prof. Helmut Dahmer, Wien https://www.rosalux.de/mediathek/media/element/2547
- Überblick zu Rechtspopulismus und Angst/Statusunsicherheit (z. B. Hans-Böckler-Stiftung, FES, bpb):
– AfD/Abstiegsängste: https://www.boeckler.de/de/auf-einen-blick-17945-auf-einen-blick-rechtspopulismus-in-deutschland-37867.htm
– „Abstiegsängste nützen Rechten“: https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-abstiegsaengste-nuetzen-rechten-3796.htm
Literatur & Kultur
- Sayaka Murata, „Schwindende Welt“ (deutsche Ausgabe) – Romanreferenz; du brauchst hier meist nur bibliografische Angabe, keinen Link.
- Buchbesprechung in der TAZ :Autobiografie von Mascha AljochinaDer Kampf von Pussy Riot gegen eine Welt ohne Seele
https://taz.de/Autobiografie-von-Mascha-Aljochina/!6130639/
Wenn du magst, kann im nächsten Schritt aus dieser Liste eine nummerierte Fußnotenstruktur passend zu deinem Text gebaut werden (z. B. Schrödinger/Heisenberg, BZgA, CLIA, Suler, Reich/Böckler etc.).















