STK Mitte, bald ohne mich?
Mal eine Pause machen… In Beziehungen verheißt das nichts Gutes.
Aber hier, bei mir und der Stadtteilkonferenz (STK) Mitte, passt das.
Manchmal gerät man in eine Sackgasse.
Man sitzt zusammen, eigentlich mag man sich, man glaubt an die gemeinsame Idee – aber es läuft einfach nicht mehr.
Und so schwer es mir fällt, das so offen zu sagen:
Ich brauche eine Pause von der STK Mitte, die STK Mitte vielleicht auch von mir.
Ich mag Bremerhaven und Mitte ist mir nicht egal – im Gegenteil.
Aber im Moment bringt es nicht viel. Reden um des Redens willen führt in Sackgassen.
Wir im Team der STK hatten zuletzt immer öfter das Gefühl, nicht wirklich gehört zu werden.
Rückblick
Im Oktober 2021, als die STK Mitte gegründet wurde, war das Aufbruch pur:
Volle Workshops, gute Ideen, Energie in der Luft.
Ohne Eberhard Pfleiderer hätte es die STK Mitte nie gegeben – klug, vernetzt, ungeduldig.
Er sagte mir damals:
„Sie werden uns zuhören, aber sich nicht bewegen.“
Tja, er kannte seine Stadt!
Die Stadtteilkonferenzen waren nie als Anhängsel der Verwaltung gedacht.
1992 gegründet, sollten sie kritisch, unabhängig, unbequem sein.
Wir verstanden uns als kritische Stimme, die nachfragt, nachhakt.
Aber das ist in Bremerhaven nicht sehr gefragt.
Man hörte uns an, aber hörte nicht zu.
Das war mal anders gedacht – 1992:
Die Menschen sollten sich einmischen, auch wenn es unbequem wurde.
Heute wirkt Kritik wie ein Störgeräusch im Verwaltungsablauf.
Unsere Erfahrungen? Nun ja:
- In Vorlagen tauchen wir als Bürgerbeteiligung auf – oft, ohne dass wir etwas davon wussten.
- Einladungen in Expertenrunden? Auf dem Papier ja, in der Praxis eher nicht.
- Der Informationsfluss ist so zäh, dass wir am Ende Vorschläge diskutieren, die längst entschieden sind.
Das ist keine Beteiligung, das ist Beteiligungsvalium.
Nicht nur mich frustrierte das tief.
Es gab Ausnahmen: die ersten Gespräche zum Rudloffquartier und das Koggenbräu –
da hatten wir das Gefühl, tatsächlich etwas bewirken zu können.
Unser Alltag sah aber oft anders aus.
Beispiel: das alte Finanzamt.
Kaum hatten wir eine Idee weitergegeben, zumindest den alten Teil zu belassen und dort das Museum der 50er Jahre unterzubringen, rollten die Abrissbagger.
Heute ist dort eine Wiese. Grün, na immerhin.
Ich will keine Bühne bieten, auf der andere ihre Entscheidungen verkaufen.
Schon Eberhard Pfleiderer wollte nicht mehr diese Podien, die oft nur zur Selbstdarstellung taugten – besonders beliebt zu Wahlzeiten.
Wir liefern Ideen, führen Gespräche, schreiben Protokolle –
und landen dann doch nur auf der Türschwelle der Zentralen der ‚Macht‘.
Die Stadtteilkonferenzen wurden nie verbindlich in Entscheidungsprozesse und Informationskanäle eingebunden.
Ohne diese Kanäle bleibt das Ganze einfach nur: Symbolpolitik.
Wir fühlten uns wie ein Fremdkörper in der Maschine Stadtentwicklung.
Was Bürgerbeteiligung wirklich braucht
Bürgerbeteiligung ist kein Event und keine PR-Maßnahme.
Sie ist Widerspruch, Reibung, manchmal auch Chaos.
Das hält eine Stadt am Leben.
Wenn Bremerhaven echte Beteiligung will, braucht es offene Ohren –
und den Mut, Kritik nicht als Angriff zu verstehen.
Es sind oft die bekannten Gesichter, die sich einbringen, die mithelfen wollen bei der Entwicklung der Stadt.
Viele haben sich aber schon abgewandt.
Einige hat die Stadt schon verloren an die, die schnelle Lösungen anbieten.
Der Kipppunkt
Für mich war der Kipppunkt das Verhalten einiger Stadtvertreter gegenüber der Stadtteilkonferenz Lehe in der Causa Kita Weichselstraße –
und die anschließende Diskussion in der Stadtverordnetenversammlung am 30. Oktober 2025.
Da wurde sehr deutlich, was manche Akteure wirklich von Stadtteilkonferenzen halten.
Spätestens da war mir klar:
Man will keine kritischen Partner auf Augenhöhe, sondern kontrollierbare Gesprächsrunden,
die eigentlich niemandem etwas bringen – außer ein gutes Gefühl für die Offiziellen.
Fairerweise
Mich hat das Engagement von Eva Erkenberg bei der letzten Sitzung am 23.10. positiv überrascht.
Das war ehrlich, zugewandt und engagiert – und ich hoffe, dass sich daraus etwas entwickelt.
Aber klar ist auch: Ein einzelner Lichtblick reicht nicht.
Das allein wird für die Arbeit der STK Mitte nicht ausreichen.
Ich würde gerne weitermachen,
mich einbringen, streiten, diskutieren –
aber nicht unter diesen Bedingungen.
So wie es jetzt läuft, ist es vergeudete Energie.
Dann fahre ich lieber mehr Motorrad (obwohl es hier im Norden wenig Kurven gibt)
oder lerne Mandarin oder C# –
oder den Riff von Alvin Lee in I’m Going Home
(ok, die ersten zehn Sekunden vielleicht) –
ach, irgendwas fällt mir schon ein …
Meine Liste:
| Plan | Bemerkung | Wahrscheinlichkeit (1–10) |
|---|---|---|
| Enterprise-Modell (3600 Teile) | Ehefrau überzeugen – man kann nicht ohne leben | 8 |
| Saturn-V-Puzzle | Ehefrau überzeugen – man kann nicht ohne leben | 8 |
| Mandarin lernen | Gebrauchsanweisungen im Original lesen | 0 |
| Clair de Lune am Klavier spielen | Zumindest den Anfang | 9 |
| 10 Kurven auf 10 km im Umkreis von Bremerhaven finden | Nur geradeaus macht mit dem Mopped keinen Spaß | 5 |
| Parteiprogramm der SPD lesen | Wollte ich schon immer | 2 |
| Moby Dick lesen | Im x-ten Anlauf | 7 |
| Paso Doble tanzen | Eher eine Lebensaufgabe | 4 |
| WALL-E-Legomodell bauen | Wunschzettel unauffällig platzieren | 10 |
| Golf spielen | Nee, muss jetzt nicht sein | 0 |
| Riff von Alvin Lee in „I’m Going Home“ lernen | Die ersten zehn Sekunden | 9 |
| Einen Kommentar ohne Politik schreiben | Unwahrscheinlich, aber theoretisch möglich | 1 |
| Noch ein Innenstadt-Video machen | Die Stadt lässt einen nicht los | 8 |
| Die Stadtteilkonferenz neu denken | Aber erst nach der Pause | 7 |
| Ein Buch wirklich zu Ende lesen | Keine Neuanschaffungen bis dahin! | 5 |
Wie es weitergeht
Ganz vorbei ist es noch nicht.
Wir werden im Januar oder Februar eine Veranstaltung ansetzen,
um offen und grundlegend über die Zukunft der Stadtteilkonferenz Mitte zu sprechen.
Bis dahin werde ich sie kommissarisch weiterführen –
in der Hoffnung, dass unser Hilfeschrei vom 23. Oktober doch noch gehört wurde.
Ein bald Mandarin-lernender
Ralf Ekrowski