Gegen den Wind in Bremerhaven.

Gegen den Wind in Bremerhaven

Wind

Samstagabend, 17 Uhr, frisch geduscht vom Joggen.

Man muss eine Stadt erlaufen, um sie zu verstehen. Man muss den Wind spüren, der einem beim Joggen mal von hinten, meistens aber von vorne ins Gesicht bläst. Man muss sehen, wie der Rauch aus dem Schornstein in Blexen steht, um zu wissen, woher der Wind gerade kommt.

Das ist Wissen, das man sich nicht anliest, sondern das man sich erläuft.

Stadtplanung

Genau dieses Wissen fehlt den Bremerhavener Stadtplanern offenbar. Man sieht es an den Windschneisen, die sie bauen. An der Schleusenstraße etwa, wo das neue Hotel entstand und gegenüber dieser Neubau hochgezogen wurde.

Seitdem bläst es dort, dass es den Leuten vor Katis das Eis aus der Waffel weht.

Nebenbei: Das Unkraut vor dem Hotel könnte man auch mal zupfen.

Dabei hätte ein Blick auf den Stadtplan genügt: Die Hauptachsen Bremerhavens laufen fast durchweg Nord-Süd oder Ost-West – kein Zufall, sondern gewachsener Schutz vor dem Wind, der hier von Westen über die Weser kommt.

Wer das nicht berücksichtigt, holt den Wind zurück und baut Zonen, in denen niemand lang bleiben will.

Stadtplanung, die das nicht erspürt, sondern nur berechnet, baut am Ende genau die Windschneisen, die sie eigentlich vermeiden sollte.


15 statt 16

Ich hatte vor, einen Halbmarathon zu laufen. Konditionsmäßig, ok, schon ein paar Jahre her, waren 20 km kein Problem, aber ab Kilometer 16 sagte mein Knie: Sorry, bis hierhin und nicht weiter.

Der Physiotherapeut, dem ich das zeigte, musste schmunzeln: „Wenn’s ab 16 wehtut, laufen Sie eben 15.“

Das hab ich mir gemerkt. Nicht nur fürs Joggen. Die Stones wussten es: You can’t always get what you want.

Man kann, man muss eine Vision haben, ansonsten eiert man nur durchs Leben.

Aber man muss auch seine Grenzen kennen und akzeptieren. Das gilt für überambitionierte Läufer wie für überambitionierte Städte, die Bauprojekte durchboxen wollen (… ja, ja, ich spreche hier vom NOVO: Das Gelände liegt leer, aber geplant wird trotzdem der Luxus, dort nur zwei Nutzungen unterzubringen – Stadtbibliothek und Jugendherberge. Genau das kann sich Bremerhaven nicht leisten, da sollte man sich die Gutachten noch mal zu Herzen nehmen), die sie sich schlicht nicht leisten können.

Manchmal muss man einfach die 15 km laufen statt der 16.