Sie müssen einfach nur abwarten….

KI generiertes Bild

Zwei Nachrichten, zwei Orte:

Berlin, 25.7.2026:


Ein islamistisch motivierter Anschlag erschüttert den Christopher Street Day in Berlin.
Der Täter war polizeibekannt, seine Radikalisierung aktenkundig.
In der Politik ein Rennen, wer die schärfsten, härtesten und publikumswirksamsten Lösungen hat.

Ceuta, 30.7.2026:


50.000 versuchen von Marokko aus schwimmend die spanische Exklave Ceuta zu erreichen. Ein Großteil der Menschen kehrt bald zurück nach Marokko. Mindestens 72 Menschen sind ertrunken, noch immer werden  Vermisste gesucht. Bisher weiß niemand, warum ausgerechnet an diesem Tag so viele Menschen ins Wasser gingen.
In der Politik ein Rennen, wer die schärfsten, härtesten und publikumswirksamsten Lösungen hat.

Anne Applebaum hat den Vorfall von Ceuta analysiert, Fakten gesammelt, obwohl vieles noch unklar ist.
https://www.theatlantic.com/ideas/2026/08/ceuta-spain-far-right/688154/


https://bsky.app/profile/ralfekrowski.bsky.social/post/3ms5voncpa226

Die Geschichte von Ceuta, das Bild, ist aus der Sicht der AfD schnell erzählt: der Westen, Deutschland, wird überrannt, eine Invasion findet statt. Der Staat ist hilflos, nur sie, die AfD und die Rechten können das stoppen.

Beim Anschlag in Berlin wird es komplexer: da ist auf der einen Seite der Anschlag durch einen Islamisten. Das passt ins Bild der Gefahr, die durch Migration droht. Auch hier sehen sie sich als alleinige Lösung. Was das Bild etwas schief macht? Es war ein Anschlag auf eine Lebensform, die die AfD im Kern ablehnt.

1977 war die klammheimliche Freude ein Geständnis, unautorisiert, öffentlich geächtet, strafrechtlich verfolgt. Ein anonymer Text in der AStA-Zeitung Göttingen prägte den Begriff nach der Ermordung von Generalbundesanwalt Buback durch die RAF, offizielles Bedauern, dahinter stille Genugtuung.

2026 ist sie auf mehrere Stimmen verteilt: Parteichef Chrupalla bekundet Mitgefühl, sein Fraktionskollege Balten kommentiert die Opfer des CSD-Anschlags mit „wie gewählt, so geliefert“. Das Muster von 1977 ist geblieben, nur die Rollen sind aufgeteilt, einer trauert öffentlich, der andere sagt, was der erste nicht sagen darf. Bestraft wird davon niemand.

Auch andere AfD-Politiker legten nahe, dass der politische Gegner sich die Sache selbst eingebrockt habe. „Bunt und vielfältig. Wie gewählt, so geliefert“, befand der Bundestagsabgeordnete Adam Balten. Er sei hin- und hergerissen, ob er Mitleid empfinden sollte mit denen, „die mich mit Dreck bewerfen und zu diesen Zuständen selbst beigetragen haben“, oder ob er „nur noch froh sein soll, dass es keinen von ,uns’ getroffen hat“.

FAZ vom 28.7.26:Wie die AfD auf den Berliner Anschlag reagiert
Von Friederike Haupt, Jannis Holl

Die Reaktionen auf beide Ereignisse beschreiben den Zustand unserer Zeit besser als die bisher bekannten Fakten. Zum Teil wird der Berliner Anschlag als Beleg für ein strukturelles Islamismus-Problem des Landes gesehen. Das zeigt eine offene Flanke unserer Gesellschaft, reicht aber nicht aus, einen Terroranschlag zu erklären.
Die New York Times wählte für Ceuta einen anderen Rahmen: nicht die Migranten, nicht Marokko, nicht Spanien, sondern die europäische extreme Rechte wird zur eigentlichen Hauptfigur der Geschichte, elf Jahre nach 2015 endlich am Drücker.

Ceuta, CSD. Die Schlagzeilen suggerieren immer Erklärungen, was das Problem ist, wer oder was es verursacht hat, wie es moralisch zu bewerten ist, was daraus folgen soll.

Was erschreckend ist, ist nicht die mediale, die politische Reaktion. Neu ist die Geschwindigkeit, mit der Empörung ausgelöst wird, Konsequenzen gefordert werden. Jede Zeile einer Empörung bekommt mehr Reichweite als eine, die zur Zurückhaltung mahnt, und dieses Reichweiten-Karussell dreht sich immer schneller.

Wir kommen da kaum noch mit, wir wollen einfach nur ein normales Leben außerhalb einer Welt, die scheinbar aus den Fugen geraten ist. Und da kommen die Rechten und versprechen uns genau das, sie verkaufen die Illusion einer Welt, in der richtig und falsch, gut und böse, wie in einem Western mit John Wayne klar definiert ist und das Ende der Aufregung wie in einem Film mit dem Abspann kommt.

Ob dieses Kino dann ein Safe Space, ein Garten, ein Kloster oder ein Gefängnis ist, das sieht man erst, wenn der Film vorbei ist, das Licht angeht und wir sehen, wo wir eigentlich gelandet sind. Filme haben ein Ende, aber wir müssen lange nach unseren Entscheidungen mit ihren Auswirkungen leben.


Quellen im Überblick:


KI-Takeaway:
→ Ceuta (erfunden) und CSD-Anschlag Berlin (real) verschmelzen zu einem Bild: ein hilfloser Staat.
→ Applebaum widerlegt die Fakten zu Ceuta, die NYT beschreibt die extreme Rechte als eigentliche Hauptfigur, elf Jahre nach 2015.
→ Die AfD-Reaktion auf den CSD-Anschlag folgt dem Muster der „klammheimlichen Freude“ von 1977, nur arbeitsteilig: einer trauert, der andere sagt „wie gewählt, so geliefert“.
→ Bestraft wird dafür niemand, anders als 1977.